Tourismus in der Ribeira Sacra in Galizien
- Existiert so etwas hier überhaupt? -
Galizien in Spanien - nicht das Galizien zwischen Polen und Ukraine.
Nun ja, Galizien liegt im Nordwesten Spaniens und nicht wie vielfach angenommen in der Nähe der Pyrenäen. Cap Fisterra, vor noch nicht allzu langer Zeit dass Ende der Welt, ist mal eben 750Km von San Sebastian oder 1250Km von Barcelona entfernt.
Tourismus generell und in Zahlen
Spanier, Portugiesen und natürlich Galizier aus aller Welt sind „die Touristen“. Statistiken zeigen, das nur etwa 7% aller Besucher Galiziens nicht aus Spanien oder Portugal kommen. Vielleicht mit Ausnahme des Jakobsweges, der ja durch Harpe Kerkeling in ganz Deutschland bekannt wurde. Die Zahl der ausländischen Besucher ist dort entsprechend höher, was heisst, das kaum ein ausländischer Besucher für den Rest des herrlichen Landes überbleibt.
In Spanien sind die Osterwoche (Semana Santa) und August die Hauptreisezeiten. Ausserhalb dieser Zeiten ist speziell das ländliche Galizien wie leergefegt. Bedingt durch die Abwanderung (Depopulation) in die vier grösseren Städte Galiziens, Santiago de Compostella, A Coruna, Vigo und Lugo, sowie der Arbeitssuche in der ganzen Welt, ist die ländliche Bevölkerung oft überaltert und natürlich gewaltig geschrumpft.
Ländliche Bevölkerungsdichte (Ribeira Sacra und Sober)
Wir leben in der Ribeira Sacra (Heiliges Flussufer) im „Concello“(Kreis) Sober. Früher gab es hier mal 10.000 Einwohner, heute sind es knapp 2.500. Ausländer leben hier wenige. Wir, mit zwei Personen stellen das Deutsche Kontingent und ich kenne noch etwa 6 Engländer, sowie ein paar Familien bei denen ein Partner Galizier ist.
Somit ist Sober und die Ribeira Sacra noch Galizien pur.
Ein Spaziergang oder Besuch der alten Wassermühlen bei Arxemil ist ein Gang in die Vergangenheit. Man kann noch gut nachvollziehen wie wichtig und belebt es hier einst war, wo heute nur ein Flüsschen durch die Ruinen murmelt.
Nun kommt der Knackpunkt. Wir machen es Besuchern nicht gerade einfach, vor allem mit der Sprache.
Galizisch, die lokale Sprache. Unter Franco war sie verboten, jetzt wird sie zur wichtigsten Sprache in diesem Landstrich gepuscht. Galizisch ist eine eigenständige Sprache, die sich ein bisschen an Spanisch anlehnt, ein wenig Portugiesisch, ein bisschen Latein, sowie keltische Bestandteile hat.
Dagegen ist nicht unbedingt etwas einzuwenden. Wenn dieses jedoch überhand nimmt, sodass oft Informationen nur in Galizisch verfügbar sind und nicht, wie zum Beispiel in Portugal üblich, Hinweistafeln
wenigstens in zwei Sprachen sind (Portugiesisch und Englisch), steht der Besucher, der vielleicht gerade noch Kastillian (Spanisch) zusammenbringt, ziemlich ratlos da.
Es gibt Lektüre, auch in anderen Sprachen, jedoch werden solche lieber alle ins Ausland verschickt, statt auch ein paar Kopien hier zu behalten.
Hier verstehen zwar alle Kastillian (Spanisch), jedoch auf dem Lande, wenn man zum Beispiel nach dem Weg fragt, muss man schon genau auf die Handbewegungen achten. Es gibt zwar ein Standard Galizisch, jedoch unterliegt die Sprache starken Dialekten in eng begrenzten Räumen, was die Sache natürlich für den Besucher nicht gerade einfach macht.
Aber mit Spanisch (Kastillian) und / oder einem guten Wörterbuch kommt man schon ganz schön weit. Vorbehalte gegen Leute, die die Sprache nicht oder sehr wenig verstehen, gibt es hier sehr, sehr wenige, da viele Galizier selbst oder ein Mitglied der weiteren Familie im Ausland gearbeitet haben und somit Sprachschwierigkeiten, oft aus erster Hand, kennen.
Urlaubsplanung
Also dann, bevor es losgeht, unbedingt mal schauen was es denn im lokalen Fremdenverkehrsbüro an Unterlagen über Galizien gibt, oft nicht gerade allzu viel.
Auch kommt das Internet gerne zur Hilfe. Eine ausgezeichnete Seite, die auch viele Broschüren (PDF) in vielen Sprachen, schön nach Kategorien geordnet, hat, ist Turgalicia.es.
Für die Ribeira Sacra bieten sich eine Reihe von Flughäfen an. A Coruna, Santiago, Vigo, Oviedo (Asturias) und Oporto(Portugal). Es ist empfehlenswert ein Auto zu mieten, jedoch gibt es auch gute Busverbindungen. Schlafwagen oder der Talgo von Madrid und Barcelona sind auch eine gute Alternative.
Eine sicher unvollständige Beschreibung
Nach dieser Einführung, bitte nicht abschrecken lassen, tauchen wir mal ein ins Ländliche andere Spanien, weit ab von viel getrampelten Wegen, wo es Natur pur und Ruhe zum Abwinken gibt.
Gut ausgebaute Strassen verbinden die grösseren Ansiedlungen und Städte. Es gibt auch ein paar Autobahnen um schnell aus den bevölkerungsreicheren Gebieten um die Städte ins nicht unbedingt platte Land zu fahren. Unsere Besucher sind immer wieder erstaunt wenn Sie sich plötzlich alleine auf der Autobahn oder gut ausgebauten Landstrasse wiederfinden. Autoverkehr wie man ihn vielleicht aus den Ballungsgebieten kennt, findet man hier einfach nicht.
Biegt man dann auf die kleineren Strassen ab, trifft man weniger auf Autos und Lkws als vielmehr auf Traktoren, Schafe und Kühe. Diese Strässchen winden sich durch die oft eindrucksvolle Landschaft, vorbei an verschlafenen Dörfchen, wo die wenigen bewohnbaren Häuser oft nur Ferien- oder Geburtshäuser von Galiziern, die hier nicht ständig leben, sind.
In der Nähe dieser Ansiedlungen kommt man an kleinen Feldern, saftigen Weiden und gut bestückten Gemüsegarten vorbei. Oft taucht man dann wider in den Schatten alter und neuer Bäume ein, um hinter der nächsten Kurve mit einem neuen unerwarteten und grandiosen Ausblick belohnt zu werden.
Hier in der Ribeira Sacra kann man sehr einfach in die überall präsente Historie eintauchen. Klöster, Einsiedeleien, Befestigungen und Kirchen zeugen von einer vielfältigen Vergangenheit. In der Ribeira Sacra gibt es mehr Bauten mit romanischem Einfluss, als im Rest Spaniens.
Oft führen nur steile Fusswege zum Ziel, manche sind nur mit einem Boot zu erreichen.
Für das leibliche Wohl wird hier gut gesorgt, jedoch hat man es als Vegetarier hier etwas schwerer, da die Galizier nur Fleisch oder Fisch essen und das Gemüse oft nur Garnierung ist.
Wein gibt es reichlich. Die Ribeira Sacra hat ihre eigene DO (Denomination). Für den Weinliebhaber sei Amandi (Amandi Link ist hier) und A Cova erwähnt, mit Spitzenweinen aus einem sehr eng begrenzten Gebiet. Der Ursprung der Weine geht auf die Römer zurück. Der Anbau ist überwiegend in steilen Terrassen (bancadas) entlang der aufgestauten Flüsse Mino und Sil. Deren Mikroklima und der Untergrund der Terrassen geben dem Wein einen konzentrierten aber vielfältigen Geschmack. Alles wird wie nach alter Tradition von Hand gemacht, die steilen Hänge und schwierige Erreichbarkeit machen eine Mechanisierung unmöglich.
Winzereien heißen übrigens Adegas und viele braune Schilder weisen den Weg.
Geheimtipps
Ein weiteres gut gehütetes Geheimnis sind die oft weit verstreut liegenden traditionellen Handwerksstätten. Traditionelle Töpfereien, Webereien und Korbflechter, um nur einige zu nennen, sind oft schwer zu finden. Man folgt einem Hinweisschild und wenn es dann in die entgegengesetzte Richtung zeigt, ist man daran vorbeigefahren. Die Lösung ist wenden und wenn möglich fragen.
Hier ein paar Beispiele:

Alfareria / Oleria de Gundivos – Töpferei von Gundivos – Bekannt durch die „Schwarzen Töpfe“
Wenn Elias da ist, hat er Zeit für ein Schätzchen und Erklärungen der Ursprünge der traditionellen Töpferei der Gegend. Gerne zeigt er auch das kleines Museum, Bestandteil des alten Herrenhauses, in dem sich die Töpferei befindet. Wenn er nicht da, ist findet man seine Mutter im kleinen Laden / Bar um die Ecke, wie üblich hier in Galizien, nimmt auch sie sich gerne Zeit.
Oleria de Gundivos - Rectoral de gundivos

Leinen und Körbe
Anna und Lluis Grau, die in der Nähe von Teixera leben, sind ein anderes Beispiel. Nach alter Tradition, nur mit natürlichen Materialien, spinnt, färbt, webt Anna Leinen und fertigt daraus Gebrauchsartikel an.
Lluis, ein über Spanien hinaus bekannter Korbflechter, fertigt Körbe aus traditionellen Materialien, nach original Vorlagen, und restauriert Flechtarbeit die ein wenig unter ihrem Alter gelitten hat.
Die beiden haben ein Häuschen zu vermieten und geben gerne Unterricht in ihren traditionellen Handwerken.
Der Virtuelle Besuch – Klicken Sie hier – Körbe und Leinen
Die Ruhe, Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Leute, zusammen mit der sehr abwechslungsreiche Landschaft aus tiefen Tälern, schroffen Bergen, mit aufgestauten Flüssen oder kleinen Bächen, oft stark bewaldet unterbrochen von Weinhängen, wird jeden verzaubern der einen Blick für die Natur hat.
Lässt man das Auto mal zurück und wandert entlang der alten schmalen Wege, findet man mittelalterliche Kreuzungen, steinerne Grabstätten (Sakophage) längst vergessener Ureinwohner. Immer wieder eröffnen sich atemberaubende Ausblicke. Auf den oftmals wenig begangenen Pfaden, braucht man gutes Schuhwerk und eine Gartenschere oder Sichel sind hilfreich. Die stark bewaldeten Hänge sind eine Mischung aus Pinien, Eichen (Amerikanisch und Galizisch), Kastanien mit einigen Weiden, Linden, Haselnuss und Birken, damit es im Herbst auch richtig schön bunt wird.
Ende Februar blühen die Mimosen und gelb ist die bestimmende Farbe in der Landschaft. Es folgt gelber Stechginster, oft inmitten von lila Heidekraut, um wenig später durch weissen und gelben Ginster abgelöst zu werden. Wildblumen und Kräuter spriessen entlang der Wegsäume und in den kleinen Feldern sieht man Kornblumen und Mohn.
Das Wetter ist manchmal unbeständig. Seinen Namen – dass grüne Spanien – hat Galizien nicht ganz umsonst. Es regnet halt auch oft und im Winter kann es richtig kalt werden, im krassen Gegensatz zum oft heissen Sommer. Versteckte Süsswasserstrände, kleine Flüsschen oder die langeSiesta im Schatten der Bäume machen das durchaus erträglich. Fischen, Kanu fahren, Wandern oder Mountainbiking - für jeden ist etwas dabei. Ist es einmal nicht sehr warm oder richtig kalt, laden die heissen Quellen in Ourense zum Aufwärmen und Verweilen ein. Danach kann man das Feuer im Holzofen im T-Shirt so richtig geniessen.
Das Baden im heissen Wasser hilft auch den verspannten Muskeln, wenn man in Manzaneda, nur etwa 1,5 Stunden von Sober entfernt, Skifahren war.
Galizien, speziell die Ribeira Sacra, ist nicht nur ein Ziel zur Hauptreisezeit im Sommer. Das ganze Jahr über ist die Ribeira Sacra offen für Besucher.
Wichtig ist hier – richtig abschalten und geniessen -
Der Schluss(s)atz
Ich hoffe dieser Artikel zeigt, dass Galizien und die Ribeira Sacra ein Ziel für das ganze Jahr ist.
Bleibt noch zu erwähnen, dass wir hier in Mer Sober in der Casa de Flores Zentralheizung und einen Holzofen für sie haben. Bei Sonnenschein und warmem Wetter locken der Garten und die Felder.
Für weitere Info und einen virtuellen Besuch – Schauen Sie bitte herein bei LifeInGalicia.com
Martin GJ
LifeinGalicia


PS: Die Antwort: Ja und Nein - Jedoch hier in der Ribeira Sacra eher nein